Bei der routinemäßigen Suche nach einem verletzten Reh im dichten Forst des Mittelgebirges stieß ein erfahrener Jagdaufseher auf etwas völlig Unerwartetes. Versteckt unter einer dichten Schicht aus Moos, umgestürzten Bäumen und wildem Efeu fand er eine fast unsichtbare, betongraue Tür, die schräg aus einem Hang ragte. Die massive Stahlkonstruktion war stark verrostet, aber noch immer fest verschlossen. Intrigiert von dem Fund in einem abgelegenen, kartografisch nicht verzeichneten Gebiet, informierte der Jäger umgehend die Forst- und Gemeindebehörden.
Unter Aufsicht des örtlichen Bürgermeisters und mit Unterstützung eines technischen Dienstes wurde das schwergewichtige Scharniertor schließlich geöffnet. Ein Schwall kalter, modriger Luft strömte den Anwesenden entgegen. Die Befürchtungen vor einer gefährlichen oder unheilvollen Entdeckung wichen jedoch schnell blankem Erstaunen. Statt militärischem Gerät oder einem einfachen Versteck erwartete die Gruppe einen außergewöhnlich gut erhaltenen und äußerst ungewöhnlichen Raum.
Der Bunker entpuppte sich als eine perfekt konservierte, private Bibliothek und Studierstube aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Regale aus dunklem Holz, bis unter die Decke gefüllt mit Tausenden Büchern, säumten die isolierten Wände. Ein schwerer Schreibtisch, ein Ledersessel und eine funktionstüchtige Grubenlampe bildeten das Mobiliar. Doch das wahrhaft Erstaunliche war der Inhalt der Sammlung: Es handelte sich fast ausschließlich um seltene Werke zur Astronomie, Science-Fiction-Literatur, handgezeichnete Sternenkarten und technische Skizzen, die von futuristischen Raumschiffen handelten.
Die Identität des Erbauers bleibt ein Rätsel, doch die hinterlassenen Notizbücher zeichnen das Bild eines visionären Autodidakten. Offenbar ein einfacher Mann aus dem Dorf, vielleicht ein ehemaliger Lehrer oder Postbeamter, hatte er hier über Jahrzehnte hinweg in stiller Leidenschaft die Geheimnisse des Universums studiert und eigene kosmologische Theorien entwickelt. Seine detaillierten Beobachtungsprotokolle und literarischen Manuskripte sprechen von einem profundem Wissen und einer grenzenlosen Fantasie, die hier fernab der Welt ihren Ausdruck fand.
Die Entdeckung hat die kleine Gemeinde in einen Zustand freudiger Aufregung versetzt. Historiker und Literaturwissenschaftler wurden hinzugezogen, um den Wert der Sammlung zu begutachten. Der Gemeinderat diskutiert nun intensiv, wie dieser einzigartige, in Zeitkapsel konservierte Ort der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann – möglicherweise als museale Gedenkstätte oder als außergewöhnlicher Lese- und Veranstaltungsort. So wird aus einem vergessenen Relikt im Wald ein schützenswertes Kulturerbe, das von der stillen Leidenschaft und dem Wissensdurst eines einsamen Träumers tief in der Provinz erzählt.
